Was ist eigentlich … das Auflagemaß?

Abb. 1: Der Chip einer Astrokamera befindet sich ein Stück hinter der Befestigungsebene [Peter Oden]

Wir alle kennen den Effekt, wenn man am Teleskop steht und durch Wechsel des Okulars die Vergrößerung verändern möchte: Plötzlich ist das ursprünglich gestochen scharfe Bild unscharf und muss wieder neu fokussiert werden. Eine Ausnahme bilden dabei die homofokalen Okulare aus einer gemeinsamen Serie. Hier ist der interne Aufbau der Okulare durch den Abstand der ersten Linsengruppe so optimiert worden, dass auch beim Okularwechsel das Bild nicht mehr nachfokussiert werden muss. Bei Kameras dagegen gibt es das nicht, hier variiert der Abstand von der Befestigung bis zur Chipebene von Modell zu Modell. Genau diesen Abstand nennt man das Auflagemaß.

Da man die Kameras nicht so häufig wechselt wie die Okulare, sind unterschiedliche Auflagemaße an sich kein Problem. Während jedoch ein Okular die Fokusebene innerhalb der silbernen Einsteckhülse hat, und damit letztendlich innerhalb des OAZ (Okular-Auszug), liegt der Chip einer Kamera immer deutlich außerhalb des OAZ. Es kann also sein, dass man mit einer Kamera an einem Teleskop überhaupt nicht in den Fokus kommt.

Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Sonnenteleskop Coronado PST. Mit einer „normalen“ Kamera kommt man hier nicht in den Fokus (eine Ausnahme sind Minikameras, die so kompakt sind, dass der Chip sich ebenfalls innerhalb des OAZ befindet.

Abb. 2: Beispiel einer Minikamera zum Einschieben in den OAZ [Peter Oden]
Das bedeutet aber auch, dass man bei Teleskopen, die hier nicht viel Spielraum (Backfokus) bieten, mit Kameras mit geringem Auflagemaß in den Fokus kommt, mit Kameras mit großem Auflagemaß jedoch nicht mehr. Manche Teleskopnutzer, die ihre Kamera nicht wechseln wollten, haben deshalb ihr Teleskop umgebaut (bei Refraktoren durch Kürzen des Tubus, bei Newton-Teleskopen durch Verlagern des Hauptspiegels). Auch der Austausch gegen einen sogenannten flachbauenden OAZ ist hierbei oft hilfreich. Gelegentlich ist es so, dass nach dieser Umrüstung die Kamera in den Fokus kommt, nicht mehr jedoch die Okulare. Hier helfen dann zusätzliche Verlängerungshülsen.

Abb. 3: Verlängerungshülse, um wieder in den Fokus zu kommen [Peter Oden]
Bekannt ist der Effekt des unterschiedlichen Auflagemaßes auch von Systemkameras. Hier kann das Auflagemaß in weiten Grenzen variieren. So hat eine typische Canon DSLR (EOS) ein Auflagemaß von 44mm. Das bedeutet, der Chip liegt 44mm hinter der oberen Fläche des Befestigungsrings für die Objektive. Eine spiegellose Sony A7-Kamera hat mit ihrem E-Mount-Anschluss ein Auflagemaß von lediglich 18mm.

Abb. 4: Deutlich erkennt man, dass der Chip bei einer Canon-Kamera viel tiefer liegt als bei der spiegellosen Sony-Kamera [Peter Oden]
Deshalb kann man vorhandene Canon-Objektive problemlos an einer solchen Sony-Kamera verwenden. Man benötigt lediglich einen Adapter mit einer Höhe von 26mm, der das Auflagemaß (und die verschiedenen Anschlüsse) anpasst.

Abb. 5: Adapter zur Anpassung unterschiedlicher Auflagemaße bei Kameras [Peter Oden]
Umgekehrt kann man des Sony-Objektive für E-Mount niemals an einer Canon EOS-Kamera verwenden, weil man fehlendes Auflagemaß nicht ausgleichen kann.

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