Merkur nach Messenger

Messengers seltsamste Entdeckung während des Merkur-Flyby im Januar: »Die Spinne«, ein Netz von ausgeprägten Gräben, in dessen Mitte ein 40km-Krater sitzt. [NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington]
Messengers seltsamste Entdeckung während des Merkur-Flyby im Januar: »Die Spinne«, ein Netz von ausgeprägten Gräben, in dessen Mitte ein 40km-Krater sitzt. [NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Carnegie Institution of Washington]
Nicht nur die Bilder der von Mariner 10 »verpassten« Hälfte der Planetenoberfläche, sondern auch die Ansichten eigentlich bekannter Landschaften mit Messengers überlegenen Kameras haben den Blick auf einen »ganz neuen Planeten« eröffnet, der ungeahnte Spuren einer dynamischen Vergangenheit zeigt. Jede Menge Vulkanismus hat Spuren hinterlassen, Lava ist in manchen Impaktkrater geflossen, und lange Steilhänge sind allgegenwärtig: eine Folge von Kompression der Oberfläche. An manchen Stellen sieht man viele Episoden der Aktivität übereinander. Das größte Rätsel aber ist »die Spinne«, wo ein Grabensystem radial auf einen 40km-Krater zentriert erscheint, ohne dass klare Kausalzusammenhänge zu erkennen wären. Das riesige Caloris-Impakt-Becken, von dem Mariner 10 nur einen Teil sehen konnte, erweist sich als nicht 1300km sondern sogar 1550km groß: Es ist – wie sich durch Kraterzählen ziemlich genau ausrechnen lässt – vor 3,9 bis 3,8 Mrd. Jahren entstanden.

Nicht nur die Kameras haben wichtige Daten geliefert. Messengers Laser-Altimeter tastete einen langen Streifen ab, mit 850 Metern Abstand der Messpunkte; durch eine Menge Krater und Becken ging dieser Schnitt. Die großen Krater auf dem Merkur erweisen sich als flacher als entsprechende auf dem Mond. Optische Spektren von frischen Kratern unterscheiden sich auch deutlich von denen des Bodens daneben, wo Jahrmilliarden »Weltraumverwitterung« gewirkt haben. Das eigene Magnetfeld Merkurs ist ein Dipol, es hat sich seit Mariner 10 nicht verändert, und es gibt keine Krustenanomalien wie auf dem Mars. Keinerlei energiereiche Teilchen waren in der Merkurmagnetosphäre zu messen, während Mariner 10 solche gesehen hatte: ein Indiz für rasante Veränderungen in der Magnetblase um den kleinen Planeten (der in dieser Beziehung gleichwohl ein Verwandter der Erde ist, im Gegensatz zu den eigenfeldfreien großen Nachbarn Venus und Mars). Energieärmeres Plasma konnte Messenger aber nachweisen, sowohl vom Sonnenwind wie auch vom Planeten selbst. Schon zwei Tage intensive Beobachtung des Merkur mit modernen Instrumenten haben seine Erforschung enorm voran gebracht: Man kann sich ausmalen, was Messenger ab 2011 aus dem Orbit leisten kann.

Daniel Fischer

Bilder von der Pressekonferenz: messenger.jhuapl.edu/news_room/multi03.html

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