Spix’ Blick zum Mond: Rima Hyginus – eine Lavarille in der Mondmitte

Abb. 1: Interessante Strukturen in der Nähe der Mondmitte: die Rima Hyginus (Hyginusrille) und der Krater Hyginus. [NASA/GSFC/Arizona State University]

Nahe der Mondmitte hat die ereignisreiche Geschichte des Mondes drei Rillensysteme entstehen lassen: Rima Ariadaeus (Ariadaeusrille), Rima Hyginus (Hyginusrille) und Rimae Triesnecker (Triesneckerrillen). Der heutige »Blick zum Mond« – für den Abend des 24. März 2018 – beschäftigt sich genauer mit der mittleren Rille, der Rima Hyginus und dem Namensgebenden Krater Hyginus.

Ungewöhnlicher Krater Hyginus

Bereits im Teleskop mit kleiner Öffnung ist bei genauer Kenntnis der Lage die 219km lange Rille als sehr schmale gebogene Linie zu erkennen. Mittig darin gelegen erkennt man den 9km großen Krater Hyginus. Dieser ist einer der größten Krater, der wohl nicht durch einen Einschlag eines Himmelskörpers entstanden ist. Indizien dafür sind der fehlende Kraterwall und die steil abfallenden Hänge, die Hyginus wie sauber ausgestanzt wirken lassen. Vermutlich ist der Krater durch den Einbruch einer ehemaligen Lavaröhre entstanden, wie sie z.B. auch an den Flanken der Schildvulkane auf Hawaii entstehen. Möglicherweise hatte die Bildung auch explosiven Charakter, da Hyginus von dunkleren Ablagerungen umgeben ist, die pyroklastische Ablagerungen sein könnten. Bei Vollmond ist das Material gut sichtbar. Ein Teleskop mit großer Öffnung und bei hoher Vergrößerung offenbart den vermutlich ebenfalls vulkanischen Ursprung von Rima Hyginus. Im westlichen Abschnitt erscheint die Rille von vielen kleinen Gruben unterbrochen. Auch diese Vertiefungen sind – wie Hyginus selber – wohl Einbrüche in der Decke einer ehemaligen Lavaröhre, die heute als Rima Hyginus sichtbar ist.

Abb 2: Der westliche Abschnitt der Hyginusrille besteht teilweise aus eine Aneinanderreihung von kleinen Gruben. [NASA/GSFC/Arizona State University]

Ein Lichtstrahl im Krater Hyginus

Abb. 3: Zeichnung von Hyginus durch ein Teleskop mit 127mm Öffnung, Vergrößerung 200×. Beim richtigen Sonnenstand erzeugt die flach stehende Sonne einen schmalen Lichtstreifen im Krater Hyginus. [Lambert Spix]
Eine Art Lichtstrahlphänomen gibt es im Krater Hyginus zu beobachten: Bei einem Mondalter von etwa sieben Tagen nach Neumond erscheint auf dem schattenbedeckten Kraterboden von Hyginus ein Lichtkeil. Mit zunehmendem Mondalter gewinnt der Streifen an Breite. Die flach stehende Sonne scheint hier durch die Rima Hyginus zu leuchten. Das Ereignis ist schon gut in einem Teleskop mit mittlerer Öffnung zu erkennen, die Vergrößerung sollte jedoch aufgrund der geringen Größe des Lichtstrahls hoch genug sein, am besten 200× oder mehr. Lambert Spix

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