Die schärfsten Radarbilder vom Südpol des Mondes

Digitale Höhenkarte der Südpolregion des Mondes auf Basis der 2006 gewonnenen Radardaten; das Feld ist 650km × 450km groß, mit einem Höhenpunkt alle 40 Meter. [NASA]
Digitale Höhenkarte der Südpolregion des Mondes auf Basis der 2006 gewonnenen Radardaten; das Feld ist 650km × 450km groß, mit einem Höhenpunkt alle 40 Meter. [NASA]
Als der Mond im Jahre 2006 seine südliche Polarregion der Erde besonders günstig darbot, waren die großen NASA-Antennen von Goldstone in Kalifornien bereit: Immer wenn die Libration den Pol extrem Richtung Erde neigte, wurde er von der großen 70m-Schüssel mit noch nie dagewesener räumlicher Auflösung abgetastet. Und weil die Radarechos von zwei 34m-Antennen in 13km Abstand voneinander aufgefangen wurden, konnten eindeutige dreidimensionale Bilder erzeugt werden. Auf einer Raumfahrttagung in Denver wurden sie am 27. Februar präsentiert, und sie haben es in sich: Die ganze Region des Mondes, die von einigem Interesse für die unbemannte wie bemannte Raumfahrt ist, erweist sich als noch schroffer als man es ohnehin schon ahnte. Um bis zu 12km liegen der höchste und tiefste Punkt auseinander, während es auf der ganzen Erde maximal 9km Höhenunterschied gibt. Auch die Steilheit der Berge und Kraterwände mit oft über 20° stellt eine Herausforderung für Landungen aller Art dar. Der Krater Shackleton gilt bislang als besonders vielversprechendes Ziel für eine mögliche Mondbasis: Der Rand wird fast immer von Sonnenlicht getroffen, der Boden liegt in ewiger Dunkelheit und könnte erhebliche Eisvorräte bergen. Zu dieser Frage geben die neuen Radardaten keine direkte Auskunft, hingegen sollte der gezielte Impakt der LCROSS-Sonde Anfang 2009 Aufschluss über die Beschaffenheit des südpolaren Mondbodens geben. Für die Planung der künftigen Monderkundung – so sie denn von der nächsten US-Regierung fortgeführt wird – sind die Radarkarten von einigem Wert, auch wenn der speziell im Hinblick auf neue bemannte Missionen entwickelte Lunar Reconnaissance Orbiter sie an Schärfe bald übertreffen dürfte, wenn er (mit LCROSS an Bord) gegen Jahresende auf die Reise geht. In einem dramatischen Video hat die NASA jedenfalls schon einmal anhand der neuen 3D-Karte simuliert, wie sich eine Landung in der Shackleton-Region für die Astronauten anfühlen würde.

Daniel Fischer

Radarbilder der Goldstone-Antennen: www.nasa.gov/mission_pages/exploration/mmb/022708.html
Pressemitteilung: www.nasa.gov/home/hqnews/2008/feb/HQ_08071_goldstone_radar.html
Die LCROSS-Sonde: www.space.com/businesstechnology/080227-techwed-lcross-moon-smasher.html

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*