Lulin: ein interessanter Komet zum Internationalen Astronomiejahr

Lulin
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Noch sieht er praktisch aus wie ein 19m-Asteroid (Bild: 15. Juli), kein Wunder bei über 6 AU Sonnenabstand, aber aus dem am 11. Juli in Taiwan entdeckten Kometen C/2007 N3 könnte noch etwas werden – in zwei Jahren. Der Fund gelang im Rahmen der Lulin Sky Survey mit einem 41-cm-RC (IAUC # 8857 vom 18.7.2007), wahrscheinlich der erste überhaupt auf Taiwan: Nach einer Bahn aus einem 15-Tages-Bogen ergibt sich ein Perihel für C/2007 N3 (Lulin) von 1,22 AU am 11. Januar 2009. Die maximale Helligkeit ist dank einer gewissen Annäherung an die Erde aber erst um den 23. Februar zu erwarten, wobei sie je nach Reaktion des Kerns auf die steigenden Sonnenwärme zwischen 7. und 5. Größe liegen sollte.

Eigentlich ist das ja nichts besonderes – aber die Sichtbedingungen sind just für Deutschland ungewöhnlich gut! Am besagten 23.2.2009 z.B. erreicht Lulin seine größte Höhe von 40° über dem Horizont im Transit um 2:30 MEZ, und das nur zwei Tage vor Neumond. Das mondfreie Intervall reicht von Mitte Februar bis Anfang März, wenn Lulin sogar – gegen Mitternacht – 50° hoch an dunklem Himmel steht. Das International Year of Astronomy 2009 soll möglichst vielen Menschen auf dem Planeten die direkte Beobachtung des Himmels per Teleskop nahebringen: Lulin könnte die Starparties zu Beginn des Jahres interessanter gestalten als gedacht. Schon um den Jahreswechsel 2007/8 könnte übrigens Komet 8P/Tuttle mit etwa 6m bis zu 60° hoch am dunklen Abendhimmel stehen; z.Z. hat er erst rund 19. Größe erreicht.

Die Fragmente von Schwassmann-Wachmann 3 hatten identische Chemie

Als der Komet 73P/Schwassmann-Wachmann 3 im Frühjahr 2006 in dutzende Fragmente zerbrach (68 wurden mit eigenen Buchstaben versehen; mindestens zwei verloren laufend weiteres »Geröll«), ergab sich für die Forschung ein unverhoffter Einblick in das Innenleben eines Kometenkerns. Die beiden größten Fragmente C und B maßen laut ihrer Radarechos jeweils mehrere hundert Meter: Das bedeutet, dass sie wahrscheinlich aus unterschiedlicher Tiefe des ursprünglichen Kerns stammten und dass eines von ihnen vor dem Zerbrechen äußeren Einflüssen stärker ausgesetzt wurde als das andere. Die Vielfalt der chemischen Zusammensetzung der Kometen kann ebenso die Umstände ihrer Bildung vor Jahrmilliarden widerspiegeln wie unterschiedliche Alterungsprozesse seither. Spektren der C- und B-Fragmente Schwassmann-Wachmanns haben nun gezeigt, dass sie sich praktisch nicht unterscheiden (Dello Russo et al., Nature 448 [12.7.2007] 172-5): Das spricht klar dagegen, dass 73P bei seinen zahlreichen Annäherungen an die Sonne chemisch markant verändert wurde. Und daraus lässt sich wiederum schließen, dass chemisch abweichende Kometenkerne wie 73P (dem es an Kohlenstoffketten mangelt) diese Eigenschaft bereits bei ihrer Entstehung erhalten haben. Doch die heterogene Zusammensetzung von 9P/Tempel 1, die sich nach dem Impakt offenbarte, spricht für eine Anzahl unterschiedlicher Bildungsprozesse: Das Bild des frühen Sonnensystems ist nicht eben einfacher geworden.

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