
Kein Stern – außer der Sonne – ist näher und damit auch kein Exoplanet: Entsprechend groß ist das Interesse an Proxima Centauri b, der zudem in einem solchen Abstand um den Roten Zwerg kreist, dass lebensfreundliche Bedingungen denkbar wären. Oder auch nicht: Die Überwachung von Proxima Centauri mit einem exotischen Teleskop hat gezeigt, dass der Stern so häufig rabiate Helligkeitsausbrüche erleidet, dass er eine Ozonschicht nachhaltigen zerstören und zumindest die Oberfläche des Planeten unbewohnbar machen dürfte.
Diese Erkenntnis stammt von einer ziemlich ungewöhnlichen Himmelsüberwachung, dem „Evryscope„: eine Art Facettenauge aus zahlreichen Mini-Teleskopen, die fortwährend den Himmel über dem Cerro Tololo in Chile aufnehmen, alle 2 Minuten jeweils 8000 Quadratgrad, mit Sternen bis zur 16. Größe hinab. Schon jetzt sind 2,5 Millionen Rohbilder im Archiv, 350 Terabyte, die sowohl automatisch wie auch manuell ausgewertet werden. Dabei wurde ein „Superflare“ auf Proxima Centauri entdeckt, bei dem im März 2016 die Helligkeit des Zwergsterns kurz um das mindestens 70-fache oder 4,6 Größenklassen anstieg – von 11,4 mag. im g‘-Band auf 6,8 mag., was ein extrem dunkelangepasstes Auge vielleicht hätte wahrnehmen können, in einem Fernglas auf jeden Fall aber leicht zu sehen gewesen wäre. Flares sind bei Roten Zwergen, Proxima Centauri zumal, keine Seltenheit (ein solcher Strahlungsausbruch hatte erst letztens Radioastronomen in die Irre geführt), ein solcher Superflare aber war hier noch nie gesehen worden. Damit zu rechnen ist wohl etwa 5-mal pro Jahr, wobei die Helligkeit sogar noch größer ausfallen könnte: Es ist nicht auszuschließen, dass Proxima Centauri für Sekunden leicht für das bloße Auge sichtbar wird.

LINKS:
Originalarbeit: https://arxiv.org/abs/1804.02001
Evryscope Press Release: https://evryscope.astro.unc.edu/proxima-superflare-public-info
Proxima-Hoffnungen 2017: http://www.pnas.org/content/114/26/6646.full
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