Kantenstellung enthüllt verbeulten Saturnring

Der Saturn, wie ihn noch keine Raumsonde aus der Nähe erlebte: Am 12. August, nur einen Tag nach der Tag- und Nachtgleiche, fällt das Sonnenlicht genau von der Seite auf sein Ringsystem, während der Cassini-Orbiter von 20° über der Ringebene 75 Bilder schoss, aus denen dieses farbige Mosaik zusammengesetzt wurde. Die helle Seite der Ringe wurde um einen Faktor 20, die dunkle sogar um einen Faktor 60 aufgehellt, um sie überhaupt sichtbar zu machen — sie werden in dieser Stellung fast nur von Sonnenlicht beschienen, das die Saturnwolken reflektieren. Gegenüber der sehr düsteren NASA-Version wurde das Bild hier noch einmal insgesamt erheblich aufgehellt. [NASA/JPL/Space Science Institute]
Der Saturn, wie ihn noch keine Raumsonde aus der Nähe erlebte: Am 12. August, nur einen Tag nach der Tag- und Nachtgleiche, fällt das Sonnenlicht genau von der Seite auf sein Ringsystem, während der Cassini-Orbiter von 20° über der Ringebene 75 Bilder schoss, aus denen dieses farbige Mosaik zusammengesetzt wurde. Die helle Seite der Ringe wurde um einen Faktor 20, die dunkle sogar um einen Faktor 60 aufgehellt, um sie überhaupt sichtbar zu machen — sie werden in dieser Stellung fast nur von Sonnenlicht beschienen, das die Saturnwolken reflektieren. Gegenüber der sehr düsteren NASA-Version wurde das Bild hier noch einmal insgesamt erheblich aufgehellt. [NASA/JPL/Space Science Institute]
Wie erhofft hat die Beleuchtung der Saturnringe genau von der Seite in der Nähe der Tag- und Nachtgleiche am 11. August dem Cassiniorbiter eine Fülle von Erkenntnissen beschafft, die ohne die noch nie dagewesene Kombination von extrem schrägem Lichteinfall und Betrachtung aus ganz anderen Blickwinkeln nicht möglich gewesen wären.

Dies gilt insbesondere für die dreidimensionale Struktur des ganzen Ringsystems, die jetzt hervortritt: Es sei, als habe man plötzlich eine 3D-Brille auf, freuen sich die Cassini-Forscher. Hatte man die Ringe bislang für völlig plan gehalten, so zeigt sich nun, dass es auf ihnen regelrechte Gebirge von mehreren Kilometern Höhe gibt. Die komplette Auswertung der Datenfülle wird noch einige Zeit dauern: Von ein paar »Buckeln« auf den Ringen wusste man zwar schon, aber nun zeigt sich, dass es unzählige Verformungen gibt, manche bis zu 17000km lang. Zwar sind die Hauptringe als solche tatsächlich nur rund 10 Meter dick, aber erweisen sich nun als vielfach verbogen: Schuld sind Saturnmonde, die Eisteilchen auf abweichende Orbits zwingen (so erzeugt Daphnis eine bis zu 4km hohe »Wand«), während Kollisionen der Teilchen untereinander staubige Wolken erzeugen, die bei schräger Beleuchtung hell erscheinen.

Die Verlängerung der schon über fünf Jahre währenden Arbeit Cassinis im Saturnorbit zur gegenwärtigen »Equinox Mission« erweist sich als Glücksfall: Schließlich kommt es nur zweimal während des 29,7 Jahre währenden Saturnumlaufs zu derartigen Lichtverhältnissen. Während der Tag- und Nachtgleiche konnte Cassini auch die Temperatur der Ringe messen: Der A-Ring kühlte sich ohne direkte Sonneneinstrahlung bis auf 43 Kelvin ab. Solche Messungen werden Aufschluss über Größe und Charakteristika der Ringpartikel geben.

Daniel Fischer

JPL Release: www.jpl.nasa.gov/news/news.cfm?release=2009-142

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