Drei Rote Flecken auf Jupiter

Das Trio der drei Roten Flecken auf dem Jupiter am 9./10. Mai, aufgenommen mit dem Hubble Space Telescope in – verstärkten – Echtfarben. [M. Wong and I. de Pater (University of California, Berkeley)]
Das Trio der drei Roten Flecken auf dem Jupiter am 9./10. Mai, aufgenommen mit dem Hubble Space Telescope in – verstärkten – Echtfarben. [M. Wong and I. de Pater (University of California, Berkeley)]
Wie in interstellarum 58 berichtet, kommt es in den nächsten Wochen zu einem bemerkenswerten Ereignis auf Jupiter: Der Große Rote Fleck (GRF), der in der hellen Südtropischen Zone (STrZ) liegt, und das ehemals Weiße Oval (WOS) »BA«, aktuell populär als »Red Spot Junior« im Südlichen Gemäßigten Band (STB), passieren einander. Diese Konjunktion wird allerdings früher als im Heft vermeldet bereits in den nächsten Wochen stattfinden – während sich BA mit ca. 0,5° pro Tag von größeren zu kleineren Längen bewegt, wandert der GRF sehr langsam in umgekehrter Richtung.

Solche Passagen hat es schon dutzendfach gegeben, da beide Objekte seit vielen Jahrzehnten beobachtet werden. Bis auf eine Beschleunigung beider Objekte ist nichts zu erwarten. Interessant wird das bevorstehende Ereignis allerdings durch einen dritten roten Fleck, der in interstellarum 57 noch als dunkles Objekt am SEB-Südrand beschrieben worden war. Auch dieser Fleck bewegt sich spiegelbildlich zu BA auf den GRF zu, allerdings auf der nördlichen Seite. Was hier passiert ist jedoch vollkommen offen, denn durch die Einbuchtung des GRF in das SEB kann es nicht zu einer einfachen Passage kommen: Von der Auflösung bis hin zum »Abprall« mit Bewegungsumkehr sind viele Szenarien denkbar.

Alle drei Roten Flecken teilen trotz unterschiedlicher Vorgeschichte wesentliche Eigenschaften: Die – nach wie vor nicht im Detail bekannte – Chemie, die ihnen die rote Färbung verleiht, dürfte dieselbe sein, und alle drei sind Wolkentürme, die von tiefen Atmosphärenschichten bis weit über die Jupiterwolken hinausragen. Letzteren Aspekt können bereits Amateurastronomen nachvollziehen, die den Planeten durch einen Methanfilter beobachten: Absorption durch dieses Gas lässt den Planeten ziemlich dunkel erscheinen, während das Wirbel-Trio hell im reflektierten Sonnenlicht strahlt.

Unterdessen ist das Oval BA, das aus der schrittweisen Verschmelzung der weißen Ovale BC, DE und FA entstanden ist, in den letzten Jahren immer größer geworden, während der GRF langsam schrumpft: Vielleicht bleibt er nicht immer der größte Wirbelsturm des Planeten. Junior kann ihm zumindest in Sachen Windgeschwindigkeit Paroli bieten: Nach der Ausmessung von Sonden- und erdgebundenen Aufnahmen scheint er mit gut 600km/h alle anderen Stürme in den Atmosphären der Riesenplaneten zu übertreffen – und damit auch viel schneller zu sein als die WOS, aus denen er entstand, weshalb diese Analyse schon wieder angezweifelt wird. Vielleicht erlebt der Jupiter gerade einen rasanten Klimawandel: Trotz ungüstiger Stellung in den nächsten Jahren lohnt die Beobachtung mehr denn je.

Ronald Stoyan und Daniel Fischer

Hubble- und Keck-Beobachtungen: www.berkeley.edu/news/media/releases/2008/05/22_redspots.shtml
Windgeschwindigkeit von Oval BA: www.jhuapl.edu/newscenter/pressreleases/2008/080520.asp
Über Ronald Stoyan 80 Artikel
Ronald Stoyan ist Herausgeber von Abenteuer Astronomie und seit über 20 Jahren ein aktiver Hobby-Astronom.
Kontakt: Webseite

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*