Was ist eigentlich … Starhopping?

Abb. 1: Manchmal ist es schwer, sich im Sternenmeer zurechtzufinden [Peter Oden]

Starhopping (ein passender deutscher Begriff hierfür existiert leider nicht) bezeichnet eine Technik der visuellen Astronomie, unbekannte Objekte am Himmel mit Hilfe von Sternkarten (oder Hilfsprogrammen am Computer / Smartphone) und bekannte Objekte anstelle einer GoTo-Montierung aufzufinden.

Nehmen wir als Beispiel einmal die Aufgabe, den Medusennebel (Abell 21 bzw. Sharpless 2-274 bzw. PK205+14.1) aufzufinden, der momentan in den frühen Morgenstunden zu beobachten ist. Es handelt sich hierbei um einen planetarischen Nebel mit einer Gesamthelligkeit von 10.2 mag., der aufgrund seiner flächigen Erscheinung dennoch nicht ganz einfach zu finden ist.

Am Anfang steht dabei die grobe Orientierung am Himmel. Man muss die Position des Objektes natürlich in geeigneter Form zur Hand haben. Der Medusen-Nebel liegt momentan etwas ‚unterhalb‘ des Sternbilds Zwillinge (übrigens ganz in der Nähe des bekannteren Eskimo-Nebels). Mithilfe einer drehbaren Sternkarte oder einer Übersichtskarte wird das Teleskop bei geringer Vergrößerung auf die grobe Richtung eingestellt.

Abb. 2: Eine Sternkarte hilft beim groben Positionieren des Teleskops [Drehbare Sternkarte, Oculum Verlag]
Im nächsten Schritt sucht man sich mit Hilfe einer detaillierteren Sternenkarte in dieser Gegend einen leicht identifizierbaren bzw. erkennbaren helleren Stern aus. Wir wählen uns dafür als Ausgangspunkt einmal den Stern Pollux (Beta Geminorum).

Abb. 3: Sternkarte des Gebietes vom Sternbild der Zwillinge bis hin zum Medusennebel (hier PK205+14.1, Mitte unten) [DeepSky Reiseatlas, Oculum Verlag]
Von diesem Start-Stern ausgehend überlegt man sich nun, welche Sternenkette am besten zum Ziel führt. Sinnvoll ist der Einsatz eines Okulars mit niedriger Vergrößerung und mit einem Gesichtsfeld von einigen Grad. In unserem Beispiel bewegen wir das Teleskop nun vom Ausgangsstern Pollux hin zum gut erkennbaren Stern (Doppelstern) Wasat (Delta Geminorum). Von hier aus ist der helle Stern Alkibash (Lambda Geminorum) ebenfalls wieder gut aufzufinden.

Abb. 4: Sternenkette für das Starhopping vom Start zum Ziel [Peter Oden mit SkySafari]
Hat man Alkibash gefunden, so muss man in unserem Beispiel das Teleskop lediglich noch etwas nach unten bewegen, um bis hin zum Medusennebel zu kommen. Speziell bei kleinen lichtschwachen Objekten ist eine weitere Karte des Zielgebietes oder ein kleinerer Ausschnitt im Astronomieprogramm von Nutzen, um sich hier wieder anhand etwas lichtschwächerer Sterne bis  zum gewünschten Ziel ‚durchzuhangeln‘.

Ein geübter Beobachter findet mit dieser Methode des Starhopping seine gewünschten Ziele innerhalb weniger Minuten und kann sich anschließend ganz dem optischen Genuss hingeben.

1 Kommentar zu Was ist eigentlich … Starhopping?

  1. „Star“ und „Stern“ haben, ebenso wie „to hop“ oder „hopsen“ jeweils die gleichen urgermanischen Wurzeln. Starhopping kann folglich sehr wohl und sogar sehr direkt in „Sternhopsen“ übersetzt werden. Selbst semantisch bleibt es beim Gleichen. Einen „passenden“ deutscher Begriff existiert deshalb sehr wohl und eine Übersetzung ist nicht notwendig. Eine ganz andere Frage ist es, ob wir den deutschen Begriff als weniger „schick“ empfinden. Dann sollten wir uns doch lieber gleich nur noch auf Englisch verständigen.

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