98,3% Erfolgschance für die Marslandung

Hier soll das Mars Science Laboratory landen: Als die Mission vergangenen November startete, galt noch die dünn eingezeichnete Zielellipse von 25km × 20km Größe, aber im Juni wurde sie durch die dick markierte kleinere (20km × 7km) ersetzt, die auch näher am interessanten Berg Aeolis Mons – hier in 3D modelliert aus Daten mehrerer Marsorbiter – inmitten des Impaktkraters Gale liegt. Das verringert den Anfahrtsweg des großen Marsrovers, der in flachem Gelände abgesetzt werden muss, bis zum Fuß des Berges um geschätzte 7km. [NASA/JPL-Caltech/ESA/DLR/FU Berlin/MSSS]

Millionen Mal haben Ingenieure am Jet Propulsion Laboratory die kritischen sieben Minuten zwischen der ersten Atmosphärenberührung des Mars Science Laboratory (MSL) und dem Aufsetzen des großen Marsrovers »Curiosity« (deutsch: Neugier) durchgespielt, und nur in 1,7% der Fälle ging etwas schief: Das übertrifft die Vorgabe der NASA von einem zu 95% garantierten Missionserfolg deutlich. Aber simuliert werden konnten natürlich nur die bekannten Risiken durch Technik und Mars-Umwelt, und so hat das NASA-Management bis hin zum Chef Charlie Bolden wie wohl noch vor keiner bevorstehenden Marslandung immer wieder die Möglichkeit eines Fehlschlags beschworen. Mit Gesamtkosten der Größenordnung 2,5 Milliarden US-Dollar – einst sollten es weit weniger sein – gehört das Mars Science Laboratory zu den teuersten Einzelprojekten der Weltraumforschung weltweit, und ein Erfolg wie bei den Marsrovern zuvor oder ein Versagen schon der neuartigen Landetechnik dürften weitreichende politische Konsequenzen haben. Wahrscheinlich werden die Flugkontrolleure – und der Rest der durch eine beispiellose PR-Kampagne der NASA in Stimmung gebrachten Welt – in der Nacht zum 6. August in Echtzeit erfahren, ob die (erstmals kontrolliert gesteuerte) Schussfahrt durch die obere Atmosphäre ab 7:24 MESZ Erdempfangszeit, das blitzartige Öffnen des Fallschirms per Sprengstoff und das Absetzen Curiositys mit einem exotischen »Himmelskran« um 7:31 MESZ erfolgreich waren.

Bis vor wenigen Tagen war dies gar nicht sicher gewesen: Die letzte Phase der Landung findet – von der Erde aus gesehen – hinter dem Marshorizont statt, so dass die schwachen direkten Funksignale des MSL unterbrochen sind. Dafür ist das Timing der Landung ideal für die Marsorbiter Odyssey, der die direkte Weiterleitung des MSL-Funks übernehmen soll, und MRO und Mars Express, die die Signale zwischenspeichern. Und ausgerechnet der betagte Odyssey leidet unter wachsenden Problemen mit seiner Lageregelung: Erst am 24. Juli gelang ein entscheidendes Manöver, das ihn doch noch in eine Position für eine ununterbrochene Live-Übertragung bringen konnte. Sehr bedeckt gibt sich die NASA aber weiterhin bezüglich der ersten Bilder von der Marsoberfläche, die die Erde erreichen können: Eine entsprechende Pressekonferenz ist erst für die Nacht 6./7. August um 1:00 MESZ angesetzt. Hochkomprimierte Bilder der kleinen technischen Kameras an Bord könnten aber bei idealer Lage des abgesetzten Curiosity schon in den Stunden oder gar Minuten nach der Landung ihren Weg auf die irdischen Bildschirme finden. Die große Fahrt zum Sedimentberg Aeolis Mons inmitten des Lande-Kraters Gale beginnt aber sicher erst nach vielen Tagen eingehender Gesundheitschecks.

Daniel Fischer

Veröffentlichung zum Aeolis Mons:
arxiv.org/abs/1207.6726
MSL-News der NASA:
mars.jpl.nasa.gov/msl/news/whatsnew
Mars-News der ESA:
blogs.esa.int/mex

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