Erstes Paar sich gegenseitig bedeckender Brauner Zwerge liefert präzise Massen und Durchmesser

Ein wahrer Glücksfall für die Astronomie: Zum ersten Mal ist – in den Daten der IR-Himmelsdurchmusterung 2MASS – ein Paar Brauner Zwerge entdeckt worden, bei dem sich beide Himmelskörper gegenseitig bedecken. Aus der Lichtkurve und Messungen der Radialgeschwindigkeiten haben Stassun et al. (Nature 440 [16.3.2006] 311-4) alle wesentlichen Parameter des Systems direkt ableiten können, insbesondere die Massen der beiden Braunen Zwerge – 56±5 und 36±3 Jupitermassen – und ihre Durchmesser von 0,67±0,03 bzw. 0,51±0,03 Sonnendurchmessern. Die großen Durchmesser entsprechen Werten für junge massearme Sterne und auch theoretischen Erwartungen: Die Braunen Zwerge gehören zum Sternentstehungsgebiet des Orionnebels und sind erst rund eine Million Jahre alt, so dass ihre Kontraktion unter dem Schwerkraft erst am Anfang steht. Was aber völlig überraschte war, dass der masseärmere Braune Zwerg 5% heisser als der schwerere ist (ungefähr 2800 zu 2650 Kelvin): Sämtliche Modelle sagen für gleich alte Braune Zwerge das Gegenteil voraus. Vielleicht haben sich die beiden gar nicht zusammen gebildet, sondern einer fing später den anderen ein: In Sternhaufen ist das möglich. Oder starke Magnetfelder verändern in einem der beiden den Energietransport und damit seine gesamte Struktur. Braune Zwerge, die statt 1 Mio. 1 Mrd. Jahre alt sind, sehen übrigens deutlich anders aus: Sie haben nur noch 1/10 Sonnendurchmesser und 1000 K Temperatur.

Daniel Fischer

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