Die drei erdnächsten Sterne in einem Bild: Beim hellen Paar Alpha Centauri A und B - hier zu einem Lichtklecks verschmolzen - wurde bislang kein Planet nachgewiesen, wohl aber nun beim Roten Zwerg Proxima Centauri. [Digitized Sky Survey 2 / Davide De Martin & Mahdi Zamani]
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird der sonnen- und erdnächste Stern überhaupt, der Rote Zwerg Proxima Centauri in 4,2 Lichtjahren Entfernung, von einem Planeten kaum größer als die Erde umkreist – über dessen konkrete Eigenschaften wir zwar nur sehr wenig wissen, der aber unter bestimmten Umständen flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche besitzen könnte. Die konkreten Beobachtungen wurden heute in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung und auf einer Pressekonferenz der Europäischen Südsternwarte präsentiert: mehrere Messreihen der Radialgeschwindigkeit von Proxima, d.h. wie er sich relativ zu unserer Sichtlinie zu dem Stern bewegt, mit übereinstimmend einer klaren Periode von 11,19 Tagen. Und nur ein Planet im Orbit um Proxima mit mindestens der 1,3-fachen Masse der Erde, dessen Schwerkraft an dem Stern zieht, scheint diese Daten erklären zu können.
Ebenso weiß man nichts über die Chemie des Planeten oder die Existenz einer Atmosphäre: Nur sie würde per Treibhauseffekt die Temperatur auf seiner Oberfläche über den Gefrierpunkt treiben, sonst wäre es selbst auf der Proxima zugewandten Seite -40°C kalt. Entsprechend datenarm sind damit erst recht Spekulationen über lebensfreundliche Bedingungen, zumal der Planet in nur 7 Mio. km Entfernung von Proxoma vermutlich gebunden rotiert, dem Stern also immer dieselbe Seite zeigt. Viel interessanter ist aber ohnehin die schiere Nähe des Planeten zur Erde, im kosmischen Maßstab jedenfalls. Schon die nächste Generation von Teleskopen auf der Erde und im Weltraum sollte einiges mehr über „Proxima b“, wie er einstweilen abgekürzt wird, herausfinden können. Und die Entdeckungs-Arbeit endet mit der für astronomische Artikel über Objekte jenseits des Sonnensystems ungewöhnlichen Hoffnung auf „robotische Erforschung in kommenden Jahrhunderten“, also die Reise von Raumsonden zu ihm. Auf der ESO-Pressekonferenz trat immerhin kurz der Sprecher des kühnen Starshot-Projekts auf, das mit starken Lasern winzige Sonden auf interstellare Reisen schicken will: Er hält einen Start in 20 Jahren, Vorbeiflüge an Proxima 20-25 Jahre später und Kosten wie beim Large Hadron Collider für realistisch …
LINKS:
ESO Release, mit Paper und Pressekonferenz: https://www.eso.org/public/news/eso1629
PM der MPG: https://www.mpg.de/10696754/proxima-centauri-planet
Pale Red Dot Blog: https://palereddot.org
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